Friday, April 29, 2005

Historikerstreit

Dies war der Startschuß des so genannten Historikerstreits, an dem sich jeder dazu berufene geschichtskundige - und wer fühlt sich nicht als solcher - Journalist, Publizist Politologe, Philosoph und last not least Historiker beteiligte. Dabei war es vielen "Debattierern" nicht in erster Linie darum zu tun, die Vergangenheit möglichst unvoreingenommen zu untersuchen. Das Ziel der meisten Beiträge ... war vielmehr, ihre ohnehin festgefügte Weltanschauung durch eine subjektive Selektion historischer Beispiele zu "beweisen". Nur selten hörte und las man in dieser verbissenen Auseinandersetzung um Objektivität bemühte Stimmen (...)

Nach wenigen Monaten erstarb die Auseinandersetzung. Um eine "Debatte" hatte es sich nicht gehandelt. Denn den Kontrahenten war es nicht darum gegangen, die eigenen Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen und dabei auch von anderen zu lernen, womöglich den eigenen Standpunkt zu revidieren. Sie wollten vor allem möglichst viele Unbeteiligte von der eigenen Sichtweise überzeugen. (...) So ist der Historikerstreit Beispiel für das Fehlen einer Streitkultur in Deutschland, wo man nach wie vor lieber kämpft als debattiert."
(Seligmann, S. 271f.)


Rafael Seligmann, "Mit beschränkter Hoffnung. Juden, Deutsche, Israelis." 1991.

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